"... komm Wallace, komm her mein Junge.", murmelte der Mann beruhigend. Mit zittrigen Beinen ging das Pferd über den Ladesteg. "Komm her mein Junge, dann habe ich auch etwas Feines für dich" der junge Mann hielt eines etwas schrumpligen Apfel hoch. Das Pferd beäugte den Apfel und ging ein wenig schneller.
Endlich erreichte das treue Tier den festen Hafenboden. Erleichtert gab der Mann dem Pferd den Apfel.
"Na die Schiffsreise hat dich ja ärger mitgenommen als mich. Lass uns ein wenig vor der Stadt die Beine vertreten"
Sie gingen durch die belebten Straßen und Gassen, Richtung Stadttor. Überall begegneten ihnen großgewachsene Männer und Frauen, welche den jungen Mann um Kopfeslänge überragten. Staunend sah der junge Mann sich um " Da hat meine alte Amme nicht gelogen,als sie meinte, dass es in Windhelm nur Riesen gäbe"
Schließlich gelangten sie durch ein Seitentor auf einen schmalen Weg der in Richtung Wald führte. Der Herbst begann gerade die Blätter zu färben.
"Na dann mein Großer, wollen wir mal ein Stück laufen?" Das Pferd schnaubte und wieherte ungeduldig.
Geübt schwang er sich in den Sattel und das Pferd trabte los.
Der Wald kam schnell näher. Pferd und Reiter freuten sich schon auf die reine Luft. Doch plötzlich strauchelte Wallace und der junge Mann wurde im hohem Bogen aus dem Sattel geschleudert...
Unsanft landete er auf dem harten Boden und noch ehe er sich aufrappeln konnte wurde er von starken Händen auf die Füße gezerrt.
"Gehörst du zu Rabenmund, antworte!" Er zwinkerte verdutzt. Prompt bekam er eine Ohrfeige. "Ich habe gesagt du sollst antworten!" "Sigrun!! Lass ihn los, dass ist der falsche Vogel" ertönte es aus dem Hintergrund. Abrupt wurde der junge Mann losgelassen. Verwirrt taumelte er zurück.
"Sieh hin, der da hat eine Eule auf der Brust" rief eine Frauenstimme aus dem Hintergrund. Verdattert blickte der junge Mann auf seinen Wappenrock herunter. "Was soll das Gerede über irgendwelche Vögel?"
Eine Hand legte sich auf seine Schulter: "Geht es dir gut?" Er musste nach oben blicken um in das Gesicht, zu dem die Stimme gehörte, blicken zu können.
Frustriert, dass eine Frau größer war als er selbst, wandte er sich ab. "Jaja mir geht gut, aber was ist mit meinem Pferd?"
Wallace rappelte sich gerade mühsam wieder auf. Er zitterte am ganzen Leibe und wollte den rechten Huf nicht voll belasten. Sigrun, die Frau die ihn ohrfeigte, trat entschuldigend näher. "Wenn du gestattest kannst du gerne mitkommen und dann verarzten wir, als Wiedergutmachung, dich und dein Pferd.
Da sie es scheinbar ehrlich meinte, willigte er ein. Sigrun führte ihn und sein Pferd in den Wald hinein. Ständig hatte er das Gefühl beobachtet zu werden. Schließlich kamen sie an eine Waldlichtung, an der einige Männer lagerten. "Sigrun!!" Schallte es vom Ende der Lichtung und eine große Frau kam auf sie zu gerannt.
Als sie den Fremden erblickte, blieb sie abrupt stehen und musterte ihn abschätzig. Ihr Blick verweilte einen Moment auf dem Wappenrock mit der schwarzen Eule. "Wen hast du da angeschleppt?"
Der junge Mann richtete sich stolz auf "Werte Dame mein Name ist Lothur von Dernhelm, meines Zeichens Soldat der leichten Reiterei des Herren zu Wintech, und mit wem habe ich das Vergnügen?" stellte er sich leicht sarkastisch vor und verbeugte sich übertrieben tief. Die beiden Frauen und umstehenden Männer starrten ihn einen Moment an. Dann brach ein schallendes Gelächter aus. Mit hochrotem Kopf richtete sich Lothur wieder auf. "So wohl, wenn unser Gast so sehr feine Manieren und das ganze Hei tu tei liebt, ich bin Alva Gunnardottir meines Zeichens freischaffende Jägerin. So den tischt unserem Gast etwas zu beißen auf."
Beschämt ließ sich Lothur am Feuer nieder. Ein älterer Mann brachte ihm eine Schüssel mit dampfenden Brei und einen Krug Bier. "Ach Jungchen nun sei nicht so verklemmt wie eine alter Jungfer, das ist doch alles nur Spaß, wir meinens doch nicht übel." Um nicht weiter an seine Blamage denken zu müssen, beschloss Lothur das Thema zu wechseln. " Warum haben sich hier so viele Leute versammelt?" Er ließ den Blick schweifen. Mindestens 20 wettergerbte Männer und Frauen hielten sich im Lager auf.
" Tja mein Junge, wir gehen auf die Jagd." Lothur zog zweifelnd eine Braue hoch "Auf schwarze Wappenvögel? Oder warum haben eure Kameraden mich vom Pferd geholt? "
Der Alte seufzte: " Du bist nicht von hier und es besser wenn..." Genau in diesem Moment zischte ein Stein durch die Luft und etwas fiel dumpf zu Boden, sofort war das Lager in hellem Aufruhr. "Was zum!?" Lothur blickte sich um. Ein schlaksiger Jugendlicher hob triumphierend einen Raben hoch. Die Anderen riefen ihm Glückwünsche und anerkennende Worte zu. Lothur stürzte auf den Jungen zu. "Seit ihr des Wahnsinn!? Ihr habt soeben Borons heiligen Vogel getötet!" Der Junge blickte ihn verständnislos an. "Boron" hakte Lothur nach "der Gott des Schlafes und des Todes" Erschrocken ließ der Junge den Vogel fallen "Firun, steh mir bei"
"Was redet ihr dem Jungen nur für einen Blödsinn ein", dröhnte es hinter Lothur.
Er wurde grob an den Schultern gepackt um herumgerißen. Alva Gunnarsdottir funkelte ihn wütend an. Lothur befreite sich aus ihren Griff. " Ich habe dem Jungen nur seinen Gottesfrevel gegenüber Boron, Herr des Todes klar gemacht"
"Ihr seid hier in Wintech, um unsere ehrenwerten Toten kümmert sich Swafnir!"
konterte Alva. Frustriert über die ruppige Behandlung gab Lothur sich nicht geschlagen "Ach und seit wann töten "ehrenwerte" Jäger zum Spaß? An dem Vogel ist doch nichts dran."
Alva starrte ihn verächtlich an: "Ihr seid ja so klug... Der Vogel musste zum Schutz unseres Lagers sterben. Er ist der Bote unseres Feindes! Ein Feind der über das Meer kam." Lothur merkte wie die Thorwaler einen engen Kreis um sie zogen. "Er kam über das Meer, genau wie ihr!"
Lothur durchzuckte ein Geisteblitz: "Er trägt einen Raben im Wappen!? Und er kam vor ungefähr 7 oder 8 Monaten über das Meer!?"
Die Thorwaler musterten ihn misstrauisch und raunten sich etwas in ihrer Sprache zu. Dieses Riesenweib kam ihm bedrohlich nahe. "Woher kennt ihr unseren Feind?"
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